Nägemist Eesti

Dienstag, 13.01.2015

Nun endlich werde ich mich auch meinem letzten Beitrag über mein Semester in Estland widmen. Seit drei Wochen bin ich schon wieder zu Hause und konnte seit dem des Öfteren die Frage: "Und wie wars?" beantworten. Was soll man da eigentlich sagen? "Gut wars!" Bei spezifischeren Fragen gibts auch ausführlichere Antworten...

An eine kleine Sache musste ich mich auch wieder gewöhnen: man versteht wieder alles was um einen herum so geredet wird, da wird man von irgendwelchen älteren Personen an der Busstation angequatscht uns soll nun Smalltalk übers Wetter halten. Ein entschuldigender Blick und ein "Ich spreche leider kein Estnisch" hilft mir hier auch nicht mehr. Ich sollte mir ein "Ich spreche leider kein Deutsch" mit ausländischem Akzent aneigenen. Trotzdem muss ich dann immer noch manch seltsamen Gesprächen in den S-Bahnen zuhören.  Aber inzwischen ist auch das Problem mit neuen Kopfhörern gelöst. Manchmal ist es gar nicht so schlimm in einem Land zu leben, wo man die Landessprache nicht versteht.

Aber ansonsten ist es schön wieder zu Hause zu sein, auch wenn ich meine Zeit in Tartu schon ein bisschen vermisse, aber ich habe ja ein paar Kontakte geknüpft auch auch ein Schlafplatz für eventuelle Reisen zurück, sicher. Insofern ist ja gar kein richtiger Abschluss sondern nur ein Auf Wiedersehen.

Um noch mal einen kleinen Einblick in meine Erlebnisse zu bekommen, gibt es hier noch ein paar bewegte Bilder. Anzumerken ist nur, dass es kleine, kurze Videos sind, keine weltbewegenden Bilder, die meist mit wackliger Hand und Handy gefilmt sind, aber die zumindest ein bisschen das wiedergeben, was ich so gesehen habe. Es sei aber jedem zu empfehlen das ein oder andere auch mal irgendwann mit eigenen Augen zu sehen.

 

Noch weiter in den Norden - Finnisch Lappland

Freitag, 12.12.2014

Das Leben kann schon ganz schön verwirrend sein. Da versucht man jahrelang brav zu sein oder zumindest seine Missetaten gekonnt zu vertuschen, damit der Weihnachtsmann keinen Grund hat, ohne Geschenke vorbeizukommen, nur um dann zu erfahren, dass das alles gar nicht wahr ist. Den Weihnachtsmann gibt es gar nicht. Obwohl ich mich nicht an den Tag erinnern kann, diese Erkenntnis gewonnen zu haben, ist wahrscheinlich zu traumatisch und wurde meinerseits erfolgreich verdrängt. Aber der Höhepunkt ist, wenn man nun an den Polarkreis fährt, um dann zu erfahren, dass der Weihnachtsmann doch existiert, ein ganzes Dorf hat, mit Postamt, Helferlein und sicher ein riesiges Lager an Geschenken (das hab ich aber nicht gesehen). Da wird es wohl einige Erklärungen geben müssen, wenn ich wieder nach Hause fahre...

Aber ich habe natürlich nicht nur den Weihnachtsmann gesehen, wofür man übrings bezahlen musste...ich wette er lässt die Geschenke auch liefern und bemüht sich nicht mehr selber mit seinem Schlitten durch die Welt zu fahren/fliegen. Moderne Zeiten. Die Rentiere waren jedenfalls noch vor Ort und man konnte sie von ganz Nah begutachten. Der Besitzer der Rentiere meinte sie sind sehr zahm, man sollte sie aber nicht berühren, dann werden sie nervös und bewegen sich mitsamt Geweih sehr unkontrolliert, das könnte ins Auge gehen. Ich hab es dennoch geschafft, mich mit ihnen ablichten zu lassen. 

Neben den Rentieren habe ich auch zum ersten Mal versucht, mich mit Skiern fortzubewegen. Am Anfang schien das noch relativ einfach, auf der Strecke haben sich dann aber doch einige Hindernisse aufgetan, aber die Aussicht und Landschaft ließen auch das zur Nebensache werden.

 

Wenn das mit den Skiern noch ein bisschen Übung braucht, geht es vielleicht mit den Schneeschuhen besser... Naja hat mehr oder weniger geklappt. 

So, nach diesen eher supoptimalen Fortbewegungsversuchen wurde es Zeit für ein paar effektiviere Methoden. Nächster Stopp: Huskeyfarm. Bei der ersten Begegnung waren die Hunde gefühlt aufgeregter als wir, aber sobald sich es mit Hundeschlitten losging, hat sich der Aufgeregtheitsgrad wohl eher umgedreht. Wir konnten auf dem Schlitten sitzen, aber auch den Schlitten steuern. Obwohl steuern doch ein wenig übertrieben ist, Die Hunde sind ihre bekannte Runde gelaufen und immer hinter dem "Leitschneemobil" hinterher. Alles was man machen musste, war bremsen. Sehr schönes Erlebnis und diesmal zeig ich auch mal ein paar bewegte Bilder meiner Schlittenfahrt.

Mein persönlicher Favorit in Sachen Fortbewegung war das Schneemobil. Einfach den beheizten Gashebel betätigen und schon kann man durch den Schnee rasen. Bevor ich mal irgendwann ein Auto kaufe, kaufe ich mir ein Schneemobil. Das Problem mit dem fehlenden Schnee in Deutschland lässt sich bestimmt irgendwie lösen oder ich ziehe nach Lappland...

Als wär das noch nicht genug Spiel, Spaß und Spannung gewesen, konnten wir am letzten Abend sogar noch Polarlichter bestaunen. Auf Fotos schon hundertmal betrachtet, aber in Natur noch viel fazinierender, besonders wenn sie sich bewegt haben. Ein wunderbares Schauspiel, was einem, auch wenn es kitischig klingt, die Wunder der Natur vor Augen führt. Bilder gibt es auch, sind aber nicht von mir, das hätte ich nicht mit meiner Kamera hinbekommen. Aber zum Glück waren einige in unserer Gruppe, die eine professionellere Fotoausstattung mitgebracht hatten. 

Soviel zu meinem wunderbaren Ausflug nach Lappland, eines der Highlights der letzten vier Monate und auch eines der letzten, in einer Woche geht es schon wieder zurück. Aber bis dahin genieße ich meine letzen Tage, werde vielleicht noch einen Abstecher auf den Tallinner Weihnachtsmarkt machen. In Tartu gibt es keinen, und ich kann ja nicht ohne einen Weihnachtsmarktbesuch die Adventszeit bestreiten. Jetzt, wo ich weiß, dass es den Weihnachtsmann doch gibt.  

St.Petersburg

Samstag, 29.11.2014

Keine Angler und keine Grenzer haben mich aufgehalten und ich habe einen erfolgreichen Ausflug nach Russland und St.Petersburg erlebt. Am Grenzübergang kamen zunächst die Esten und haben die Pässe eingesammelt, super noch nicht mal in Russland und der Pass ist schon weg…Aber nach kurzer Wartezeit wurde er sogar mit einem Lächeln wieder ausgeteilt. Es war das erste, aber auch das letzte Lächeln, was ich von Grenzern erhalten sollte. Dann kam die russische Grenze. Erstmal wurde wieder der Pass im Bus kontrolliert, an der nächsten Station mussten alle aussteigen und sich persönlich Stempel und einen prüfenden Blick abholen. Zusätzlich musste noch eine Migrationskarte ausgefüllt werden. Die ist besonders für die Ausreise wichtig und sollte gut aufgehoben werden. Dass Form, Material und Größe an einen kleinen Kassenzettel aus dem Supermarkt erinnern, macht das Aufheben nicht unbedingt leichter und ich hab mich erwischt, in regelmäßigen Abständen nachzuschauen, ob das Zettelchen noch im Pass liegt. Und nur um sicher zu gehen, wurde nach dem Wiedereinsteigen, der Pass noch ein weiteres mal kontrolliert. Könnte ja sein, dass sich jemand innerhalb der letzten fünf Meter dazu geschmuggelt hat. Aber nachdem alles mehr oder weniger unkompliziert überstanden war, konnte die Reise nach St. Petersburg fortgesetzt werden. Dort hieß es denn erstmal Hostel suchen, Sachen abgeben und dann konnte die erste Sightseeingtour auch schon beginnen. Und irgendwie hatte ich das Gefühl an jeder Ecke eine neue Sehenswürdigkeit zu entdecken. Bin also stundenlang durch St.Petersburg gelaufen und hab mich von allen Seiten beeindrucken lassen. Aufgefallen ist mir gleich, dass die Russen wohl ein andere Interpretation für persönliche Distanzzonen haben. An jeder roten Ampel haben sich mindestens noch zwei, drei Personen in den von mir gewählten Abstand zum Vordermann gedrängt. St.Petersburg hat sicher viele Einwohner, aber so eng ist es nun auch nicht.

Aber man kann nicht bestreiten, dass St.Petersburg einiges zu bieten hat, die ganzen Paläste, Kirchen und Kathedralen erklären die vielen Touristen, ich bin ja auch da, aber umso  unverständlicher ist es für mich, dass kaum einer Englisch beherrscht, nicht mal an den Haupttouristenpunkten. Auf meine Kommunikation hat sich das auch ausgewirkt, anfänglich hab ich mich noch höflich in ganzen Sätzen durchgefragt, zum Schluss hab ich auch nur noch einzelne Wörter oder gleich Hände und Füße genutzt. Tickets? Entrance? Where? Ich hoffe ich bin im Endeffekt keinem begegnet, der doch Englisch konnte und sich im Stillen über die mangelnden Englischkenntnisse aufgeregt hat.

Aber ich hab doch alle meine Ziele erreicht. Sogar die Metro und die „Regionalbahn“ hab ich genutzt. Die Metrotickets bzw. Tokens sind so günstig, dass ich mir sogar eins als Erinnerung aufheben konnte. Ich möchte noch einmal erwähnen, dass ich deutsche Ticketpreise zunehmend als besonders schlechten Witz empfinde. In St. Petersburg bezahlt man 35 Cent für ein Ticket und man kann damit solange fahren, wie man möchte, erst wenn man die Sicherheitsschranken in einem Bahnhof verlässt, muss man bei der nächsten Fahrt ein neues Ticket lösen. Aber dafür können sie wie gesagt kein Englisch und selbst am Bahnhof gibt es keine Hinweisschilder, die ich ohne stundenlanger Bilderrätsel entziffern kann. Ich hab es aber erstaunlicherweise doch geschafft den richtigen Zug nach Pushkin und zum Katharinenpalast zu finden. Dort gab es wenigstens mal wieder einen sympathischen Russen, der Schaffner. Kam er doch extra zurück, um mir zu sagen, dass ich jetzt aussteigen muss. Ich hatte vorher gefragt, wie viele Stationen es sind, nicht, dass der Eindruck entsteht, der Schaffner hat mir geholfen, weil ich besonders hilflos und verwirrt aussah. Hoffe ich zumindest. Aber der Ausflug hat sich gelohnt, unzählige Parkanlagen, der Katharinenpalast und natürlich das Bersteinzimmer, zumindest der Nachbau.

Am letzten Tag, hab ich mich dann noch zur Eremitage begeben. Wozu braucht man so viele Räume und Säle, dass man sogar einen Plan braucht, um sich nicht zu verlaufen? Aber wer weiß schon, was der Zar so alles in seiner Freizeit gemacht hat. Genügend Platz hatte er aber auf jeden Fall. Vielleicht sollte man das mal den Menschen an den Ampeln erzählen.

Nachdem ich nach drei Tagen St.Petersburg das Bedürfniss nach einem Paar neuer, unbenutzer Füße hatte, hab ich mich wieder auf den Heimweg gemacht. Die Grenze konnte problemlos passiert werden, ich hatte ja gut auf meine Migrationskarte/Kassenzettel aufgepasst. Der Bus war sogar mit Bildschirmen in den Kopfstützen ausgerüstet, so dass man sich die Zeit mit Filmen und Musik vertreiben konnte. Sogar ein paar Hollywoodfilme wurden angeboten, in denen die Russen ja traditionsgemäß nicht so gut weg kommen. Bei der Grenzkontrolle, hab ich die dann lieber ausgemacht…

Der Ausflug nach St.Petersburg hat sich aber auf jeden Fall gelohnt, obwohl es sicher noch viel mehr zu erleben gibt, als ich den drei Tagen sehen konnte. 

 

Привет Россия

Dienstag, 18.11.2014

Über 80 Tage bin ich nun schon in Estland. Um die ganze Welt hab ich es in dieser Zeit nicht geschafft, nicht mal durch ganz Estland, aber immerhin kann ich zwei weitere Orte als gesehen kennzeichnen. Letzte Woche habe ich meine rebellische Seite ausgelebt und bin mitten im November in die Sommerhauptstadt Pärnu gefahren. Es werden sogar die Hauptstadtrechte an den Bürgermeister von Pärnu übergeben, allerding nur symbolisch. Wäre wahrscheinlich sonst auch sehr aufwendig die Hauptstadt alle halbe Jahre zu wechseln. Pärnu ist ein Seebad an der Westseite Estlands und ein estnisches Sprichwort besagt, dass man alle seine Freunde, wenn man sie das ganze Jahr nicht gesehen hat, im Sommer in Pärnu trifft. Hab niemanden getroffen, aber ist ja auch kein Sommer. Pärnu lohnt sich aber auch im Winter, auch wenn dann natürlich nicht viel los ist. Viele Läden, Cafés und Co haben über die Wintermonate geschlossen, aber das kennt man ja auch von anderen Seebädern. Um das Städtchen zu erkunden, war es mir aber ganz recht, mich nicht durch Touristen mit Schwimmflügeln und Badeenten zu drängeln. Besonders groß ist Pärnu nicht, aber es gab trotzdem viele schöne Sachen zu sehen. Und besonders schön war es natürlich am Strand entlangzulaufen, obwohl es doch ganz schön kalt und windig war. Was ich nicht so toll fand, aber die zahlreichen Kitesurfer bestimmt super, bei 30 hab ich aufgehört zu zählen. 

  

Dieses Wochenende habe ich mich dann noch nach Narva gewagt. Gewagt deshalb, weil Narva quasi ein russischer Außenposten ist und das auch gern bei jeder Nennung der Stadt angemerkt wird. Dort leben hauptsächlich Russen und die Kommunikation läuft eigentlich auch nur auf russisch. Da müht man sich der estnischen Sprache Herr zu werden und dann kann ich es nicht mal in Estland anwenden... Naja Narva liegt jedenfalls im äußersten Nordosten von Estland und nur der Fluss Narva trennt hier Estland von Russland. Ich hab den russischen Anglern auf der anderen Seite auch gewunken, aber beim Angeln kann man sich wahrscheinlich schwer auf andere Sachen konzentrieren, auch zum zurückwinken bleibt da keine Zeit oder der Spaß jedem Touristen zurückzuwinken lässt mit der Zeit nach...

Ansonsten wirbt Narva im Internet mit schönen Beispielen an sowjetischer Architektur. Ich persönlich fand, dass sich die schönen Beispiele in Grenzen gehalten haben. Sehr schön und interessant war allerdings die Hermannsfestung, direkt am Fluss. Die wurde im 13.Jahrhundert von den Dänen errichtet, also auch keine sowjetische Architektur. Und wenn man den "langen Hermann", den Turm der Festung erklimmt, hat man auch einen schönen Blick nach Russland und auf Narva. In der Festung befindet sich noch ein Museum über die Geschichte der Stadt. Da lässt sich zumindest erahnen, wie schön die Stadt mal ausgesehen haben muss, aber im 2.Weltkrieg wurde auch hier fast alles zerstört. 

Da es nun mittlerweile auch schon ziemlich früh dunkel wird, hatte ich noch die Gelegenheit Narva im Dunkeln zu erleben. Zumindest dachte ich, dass es bestimmt sehenswert wäre einige der Sehenswürdigkeiten im Scheinwerferlicht zu sehen, aber mit diesem Gedanken bin ich in Narva wohl alleine. Nichts war beleuchtet, nicht mal das Rathaus, alles war dunkel. Nur eine große Sonnenuhr wurde mit in Szene gesetzt...damit man auch nachts die Sonnenuhr nutzen kann, oder so...

Aber auch wenn mir ein Besuch in Narva reicht, mache ich mich gleich wieder auf den Weg in Richtung Nordosten. Diesmal allerdings werd ich versuchen die Grenze zu überqueren. Damit ich nicht schwimmen muss und mich nicht dem Zorn der genevten russischen Angler stellen muss, habe ich mir natürlich auch ein Visum besorgt. Mal schauen, ob das dann auch alles funktioniert. Das Visum allein hat mehr gekostet, als Unterkunft und Hin- und Rückreise zusammen...zum Glück kann man sonst, zumindst in Europa, ohne Visa reisen. Neulich hat mir eine Studentin aus der Ukraine erklärt, was sie alles beachten muss, um nach Europa reisen zu können. Da war die Beschaffung des Visums für Russland ja Kinderkram. Und lohnen wird es sich sicher auch. Meinem ersten Besuch in Russland und St. Petersburg steht also nichts mehr im Wege, nur noch acht Stunden Busfahrt, die russichen Grenzer und vielleicht noch ein paar russische Angler...

Helsinki

Mittwoch, 29.10.2014

Wieder ein Stückchen der Landkarte aufgedeckt. Diesmal ging es nach Finnland. Genauer gesagt in die finnische Hauptstadt Helsinki. Drei volle Tage hatten wir Zeit die Stadt und die finnische Lebensart zu entdecken. Der Weg nach Helsinki führte mit dem Bus von Tartu nach Tallinn (Super-Special-Sonderangebot für 3€, ich weiß nicht ob ich jemals wieder deutsche Transportmittel nutzen kann, ohne das Gefühl zu haben, finanziell über den Tisch gezogen zu werden) und dann mit der Fähre nach Helsinki. Allein die Fahrt mit der Fähre hat sich schon gelohnt, kann mich nicht erinnern schon mal mit so einer großen Fähre gefahren zu sein. Mitfahren können bis zu 2000 Passagiere und mehr als 600 Autos und Busse. Habe zwar nicht nachgezählt, ob es tatsächlich so viele waren, aber es war schon durchaus gut besucht. Die Überfahrt dauert 2,5 Stunden, die man sich aber mit dem Erkunden des Schiffes und der zahlreichen Cafés gut vertreiben kann. Unser finnischer Begleiter ließ uns dann noch wissen, dass man den zweiten Kaffee mit der gebrauchten Tasse für nur 30 Cent bekommt, alte finnische Servicekultur. Schließlich wird ja kein Personal benötigt, welches die Tasse abspülen muss. Als nicht Kaffeetrinker fühl ich mich aber leicht benachteiligt. Wenn ich mit meiner gebrauchten Teetasse ankomme, bekomme ich heißes Wasser umsonst…toll. Also immer ein paar Teebeutel parat haben, dann lohnt sich das. Besagter finnischer Begleiter fragte uns dann auch noch, ob wir schon mal was von der MS Estonia gehört hätten. Ja, hab ich, auch wenn mir der Moment vor dem Beginn der Überfahrt nach Helsinki äußerst unpassend erscheint, dieses Ereignis in Erinnerung zu rufen. Naja ich kann ja schwimmen und es sind ja nur 80km von Tallinn nach Helsinki…

Meine Schwimmfähigkeiten musste ich aber nicht unter Beweis stellen und wir sind gut auf der anderen Seite der Ostsee angekommen. Beim Verlassen der Fähre musste man dann nur aufpassen nicht unter die Räder der zahlreichen Handkarren zu geraten, die die Finnen nutzen um literweise  Alkohol aus Tallinn in ihr Heimatland zu schaffen. Denn Finnland ist teuer und besonders der Alkohol, also wird die Fähre gerne als Alkoholbeschaffungsfahrt genutzt, zumindest von Seiten der Finnen. Im Tallinner Hafen finden sich dafür auch zahlreiche supermarktähnliche Alkoholshops. Ein ganzer Supermarkt nur für Alkohol!

Aber wir sind ja nicht wegen des Alkohols nach Finnland gereist, sondern um Helsinki zu besuchen. Das haben wir dann auch in einer ausgiebigen Sightseeingtour gemacht. Vorher wurde uns noch der Metroplan erklärt, man solle doch aufpassen nicht im falschen Zug zu sitzen, da sich die Linie am Ende teilt. Ja bei einer! Linie muss man natürlich ganz schön aufpassen… Nur zum Vergnügen hab ich dann mal den Berliner S- und U-Bahnplan herausgeholt.

Der komplexe Metroplan von Helsinki:

Das Hindernis mit dem schwierigen Metroplan hat sich also als überwindbar herausgestellt und Helsinki konnte in aller Ruhe erkundet werden. Zu sehen gab es einiges, z.B. den Dom, den Senatsplatz, die Uspenski-Kathedrale, ein paar Runden auf dem Riesenrad am Hafen haben wir uns auch gegönnt. Und ein Gegenstück zum Manneke Pis in Brüssel hab ich auch gefunden. Die Helsinkier Version ist aber mit seinen acht Metern etwas größer.

 

Am spannensten fand ich aber den Ausflug nach Suomenlinna. Eine Bastionsfestung, die sich über mehrere Inseln verteilt. Der Weg dorthin führt wieder über eine Fähre direkt vom Marktplatz, diesmal allerdings wesentlich kleiner. Die Fahrt dauert auch nur knapp 15 Minuten, aber vorbei an vielen kleinen Inseln und mit schönem Blick auf Helsinki. Die Festung wurde zu Zeiten gebaut, als Finnland noch Teil des Schwedischen Königreiches war und wurde als Schutz gegen die Russen genutzt. Die konnten die Festung aber später trotzdem erobern und erst mit der russischen Revolution und der finnischen Unabhängigkeit gehörten die Inseln mit ihren Festungsanlagen zu Finnland. So das reicht an geschichtlichem Input, heute ist es hauptsächlich ein Touristenziel, aber es leben auch noch ca. 800 Menschen dort und eine Insel wird weiterhin vom Milität genutzt. Das hat man spätestens beim Lesen der ganzen Warnschilder gemerkt, die mit Verhaftung und sonstigene Drohungen auf sich aufmerksam machten. Die zahlreichen Militärschiffe könnten für das geschulte Auge eventuell auch ein Hinweis sein. Auf den anderen Inseln erhält man aber viele Möglichkeiten alte Garnisionsgebäude und Festungsanlagen zu begutachten. Auf jeden Fall einen Ausflug wert. Hier mal ein Bilder, manche sind leider etwas unscharf, aber es war einfach so windig, dass es mir teilweise unmöglich war, die Kamera still zu halten. 

 

 

 

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